Cool Britannia

26-29 Mai 2011 Champions League Final & Royal Chelsea Flower Show

Schöne Idee aus dem Herbst vergangenen Jahres: wir könnten die neuesten Trends in London gucken gehen wie zuletzt in 2007 - und dieses Mal das Ganze mit Familienanschluss.  Die Umsetzung nahm einen irrwitzigen Murphy's Law-Verlauf:

 

Um den bestmöglichen Flug-Deal abzuschließen, warteten wir bis ins Frühjahr auf die Verfügbarkeit unserer üblichen Ryanairflüge Altenburg-Stansted, bis schließlich die Fluggesellschaft den Dienst einstellte und wir zu weniger guten Konditionen vom entfernteren Berlin ins unvertraute Luton fliegen mussten.

 

Nachdem es im Januar nach langem Suchen und Vergleichen gelang, eine bezahlbare Übernachtung in Chelsea für fünf Personen zu ergattern, haben wir diese angesichts der vulkanausbruchsaschewolkebedingten Flugsperrung am 25. Mai zur 24-Stunden-Frist stornieren müssen - um am Ende des Tages zu lernen, dass der Flugbetrieb an unserem Reisedonnerstag, den 26. Mai wieder aufgenommen und alles zurück auf normal gehen werde.

 

Im Mittwochsverlauf hatten wir auf Autoanreise samt Fähre Calais-Dover umgeplant und eine Unterkunft im city-maut-freien und linksverkehr-machbaren Canterbury gebucht ... und dieses Paket gegen Ende des Tages letztlich wieder abgesagt, um den ursprünglichen Londonplan weiter zu verfolgen. Nur, dass wir nun - zwölf Stunden vor Landung - keine Unterkunft mehr hatten. Und wir waren zu fünft.

 

Die Recherche ergab, dass alle Hotels in London entweder ausgebucht waren oder aber Übernachtungen ab GBP 300 pro Nase und Nacht anboten.So lernten wir den kleinen Vorort Purfleet on Thames kennen: 30 Bahn-Minuten vom London Tower entfernt, wo wir glücklicherweise am Mittwoch Abend, den 25. Mai 2011 über eine Hotelbuchungsplattform noch drei Zimmer ergattern konnten.

 

Seit Gustav bei uns ist, ist das unser erster Urlaub, an dem wir ihn zu Hause lassen mussten. Bernd und Lisa sind für die drei Tage in die Gärtnerei gezogen und haben ihn, Schnucki und unser Gefieder umsorgt. - Wohin auch immer der nächste Ausflug geht: auf jeden Fall wieder im Auto - und mit Gustav  dabei!

Nach Landung regnete es Katzen und Hunde und wir machten uns auf den ÖPNV-Weg nach London Downtown und von dort nach Purfleet. Die Bahnanbindung war hervorragend. Das Hotel lag sensationell an der Themse. Alles schien gut zu werden. Es regnete weiter und wir traten ein.

 

Shockingly  hatte man dort zwar drei Zimmer für deutsche Reisegäste derselben Buchungsplattform reserviert - allerdings auf andere Namen und nur für eine Nacht. Bedauerlicherweise sei das Hotel ausgebucht. Letztlich kam die Land Lady doch noch auf ein Angebot, das wir nicht ablehnen konnten und unsere Londonzeit begann. (Zuguterletzt stellte sich heraus, dass das Hotel in diesen Tagen mit jeder Menge Stornos und no-shows fertigzuwerden hatte, die offensichtlich alle auf ähnliche Ausweich-Optionen zurückzuführen waren wie unser verzweifelter Auto-Fähre-Caterbury-Wahnsinn).

 

Wir nahmen unsere sightseeing-Fahrt auf, zurück zum Tower, von dort zu Fish&Chips und in einen Wolkenbruch. Die gepackte Sommergarderobe kam an keinem der drei Urlaubstage zum Einsatz; die Frisuren waren für den Rest der Zeit nicht wiederherzustellen. Im Regen über die Towerbridge, am Themsepfad entlang und schließlich nach guten zwei Stunden doch aufgegeben und in ein Café zum Trocknen und Aufwärmen eingekehrt. Gegen 18 Uhr brach die Sonne durch und bescherte uns einen schönen Transfer zum Craven Cottage Stadium, an dem die Damen von FFC Turbine Potsdam am selben Abend im Champions League Finale Olympique Lyonnais spielten. Der Weg zum Stadium war fantastisch: durch den anmutigen Bishop's Park inmitten fußballinteressierter Londoner und Touristen. Potsdam unterlagen zwar - dafür sind wir mit den Mädchen auf demselben Rückflug gesessen. Alles in allem ein großartiges Erlebnis!

 

Am Freitag waren wir im Garden Museum, während der Rest der Reisegruppe Westminster Abbey, St James's Park und Buckingham Palace schaute. Anschließend sind wir gemeinsam durch den Green Park zum Hyde Park spaziert und haben dort den wundervollen Rosengarten bewundert. Auf dem Rückweg kamen wir am Albert Memorial vorbei und sind ins Natural History Museum abgebogen, die anderen nach Covent Garden.

 

Abschließend noch die Kensington High Street geprüft, was in London bereits ist und bei uns kommen wird:

  • Jungens: Converse Chucks zu - immer noch - Röhrenhosen.
  • Mädchen: Maxi Kleider und Polka Dots 
  • Alle: Neon + whenever wherever Blick und Daumen* auf iPhone oder Fummelbrett.

Am Abend machten wir einen Abstecher zur Portobello Road nach Notting Hill, aßen dort Fisch und trafen den Rest der Gruppe in der Bahn zurück nach Purfleet - entlang mit einer ausgesprochen interessanten Freitag-Abend-Fahrgemeinschaft (Stichworte: "one drink after work", Flatterhemden, Mörder High Heels. Und: MIR IST NICHT KALT. Weiß ich doch nicht, wo  die Gänsehaut auf meinem Dekolleté und Oberschenkeln herkommt).

 

Samstag war der Tag unseres eigentlichen Reiseanlasses: Wir besuchen die Royal Chelsea Flower Show, nachdem die uns 2007 so begeistert hat. Zugegebenermaßen waren damals knapp 30°C. Nach full English breakfast in Purfleet sind wir im kurzen Spaziergang ab U-Bahn-Station Sloane Square beim London Royal Hospital angekommen und schließlich auf dem Flower Show Gelände bis Kehraus verblieben. Was wir seinerzeit nicht mitbekommen hatten und was dieses Jahr eine interessante Lektion war, ist der Ausverkauf zum Ende der Show. Die Veranstaltung schließt um 17:30 Uhr; ab circa 16 Uhr wurden schlangestehende Wartende durch die Drehkreuze hereingelassen, die mit kleinen Handschubkarren über das Gelände in das Blumenzelt rannten. Wenig später trugen dieselben Leute unter teilweise erheblichen Mühen übermannshohe Prachtexemplare von Ritterspornen, Blutahornen und Hortensien weg.

 

Nach Ausstieg am Leicester Square und Durchkreuzung von Soho/Chinatown und Picadilly Circus (es regnet wieder), löste sich unsere Reisegruppe auf. Wir schauten noch Regent Street und Oxford Street entlang und fuhren abschließend nach Covent Garden, wo wir die Familie in einem Biergarten wiedertrafen, in dem wir das Wochenende ausklingen ließen. Besser als jedes TV- oder Broadway Programm: Gegenüber war der Einlass eines Nachtclubs und es war Samstag Abend im Hochzeitsmonat Mai. Hen Night! Jede Menge feierentschlossener Jungesellinnenabschiedsteams mit 12 cm-Bekleidung (Absatzhöhe bzw. Rocklänge). Spektakulär und einzigartig! Am selben Abend verloren Manchester United gegen FC Barcelona im Champions League Finale der Herren, das in Wembley ausgetragen wurde und zu dem unsere Potsdam-Damen vom Donnerstag offenbar auch auf den Rängen saßen, wie wir auf unserem gemeinsamen Rückflug erfahren haben. - Der übrigens ging am Sonntag, den 29. Mai ab Luton.

 

Der Bahntransfer aus London Zentrum zum Flughafen Luton dauert in der Regel 35 Minuten. Auch hier spielte Murphy mit: wie wir zur St Pancras Station kamen, hieß es Schienenersatzverkehr "... might extend your journey by up to 75 mins". Haben nach einem kleinen Stau in der Autobahn unseren Rückflug bekommen, Auto im Parkhaus wiedergefunden, angesprungen, heimgefahren.

 

Wat war dat schön! - Im Vergleich zu unseren früheren Ausflügen zwar ungleich aufregender und - trotz sorgsamster und abgeschlossener Rundumvorbereitung - absolut ungeplant und unvorhersehbar. Wir fanden's exzellent! Einzig schade, dass William und Kate nicht mehr auf dem Balkon standen. (Unterhalten sich zwei Fußballfans in der Purfleet-Bahn am Samstag auf dem Weg in die Stadt  zum Finale-Gucken  "... and she asked me: 'Did you watch the wedding?' - 'What wedding?'")

Royal Chelsea Garden Show 2011 Royal Chelsea Garden Show 2011

*Gelernt: Blackberry-Daumen

Auszug aus Cosmopolitan Editorial JUNE 2011 von Louise Court Auszug aus Cosmopolitan Editorial JUNE 2011 von Louise Court
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